Schlussbetrachtungen

Die Sympathikus-Therapie ist eine neues Therapiekonzept, mit dem der Übergang von akuten in chronische Schmerzen verhindert und manche chronische Störung rasch und erfolgreich behandelt werden kann. In der Wissenschaft ist sie noch unbekannt. Wir hoffen, dass sich dies bald ändert und sich dadurch weitere Krankheiten finden, die sich günstig beeinflussen lassen.

Für uns ist es unstrittig, dass der Sympathikus für zahlreiche Erkrankungen und Störungen verantwortlich ist. Unklar ist aber, warum die gleiche Ursache so viele verschiedene Krankheiten auslösen kann. Als Beispiel sei das Kopfgelenk erwähnt, dessen Behandlung nach unserer Erfahrung Migräne, Kopfschmerz, Schwindel, idiopathische Facialisparese, Horton-Neuralgie, Sehstörungen, trockenes Auge und Tinnitus heilen oder zumindest günstig beeinflussen kann.

Unser Modell der vertebro-vegetativen Koppelung ist nicht perfekt. Im Bereich des Kreuzbeins ist eine direkte Irritation des sympathischen Grenzstranges für uns nicht nachvollziehbar und im Bereich der Kopfgelenke schwer vorstellbar. Ebenso stellen sich uns viele Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben:

  1. Warum kommt es zu einer Verkalkung der Schulter, wenn doch die trophische Störung eine Übersäuerung des Milieus zur Folge hat?
  2. Warum entsteht am Handgelenk eine amyloide Degeneration (Karpaltunnelsyndrom), an der Schulter jedoch eine Verkalkung?
  3. Warum werden Parästhesien des Arms (die beim dauerhaften Anheben des Arms entstehen) nur über eine Blockierung der vierten und nicht auch zum Beispiel der zweiten Rippe ausgelöst?
  4. Warum erleiden fast ausschließlich Frauen eine Rhizarthralgie bei Blockierung von Th2 und/oder eine Heberdenarthrose mit Blockierung von Th1? Männer erfahren diese Erkrankungen fast nie, dafür häufiger einen Morbus Dupuytren, der jedoch auch nach erfolgreicher und nachhaltiger Sympathikus-Therapie von Th1 nicht schwindet.

Da existiert noch viel Forschungsbedarf.

Wir möchten auch noch einmal auf die Kriterien hinweisen, bei deren Vorliegen die Anwendung der Sympathikus-Therapie erfolgreich eingesetzt werden kann:

  1. Verschlechterung in Ruhe
  2. chronische regional begrenzte Syndrome
  3. Dauerschmerzen

 
Den Therapiehindernissen wurde im Buch bereits unter Therapie ein eigenes Kapitel gewidmet.

Welche zentrale Rolle die Wirbelsäule spielt, hat Hippokrates mit seinem Satz „Erlanget Wissen über das Rückgrat, denn von diesem gehen viele Krankheiten aus“ schon vor über 2000 Jahren erkannt. Dies können wir nur unterstreichen. Wir glauben auch, dass die Beziehung der Wirbelsäule zu anderen Organsystemen wie z.B. dem Sympathikus eine „Einbahnstraße“ ist, dass also viszerale Syndrome die Folge, jedoch nicht die Ursache von Blockierungen sind. Verspannungen der Parametrien mögen zwar Kreuzschmerzen verursachen, sie führen jedoch nicht zu einer regelhaften Blockierung eines immer identischen Wirbels. Dies schließt ein Fehlwachstum der Wirbelsäule (Skoliose) unter dem Einfluss innerer Organe allerdings nicht aus.

Die Sympathikus-Therapie ist in erster Linie beschwerdeorientiert, das heißt, der Patient hat eine gewisse Art von Beschwerden und der Therapeut kann direkt schon behandeln. Auch wenn dieser Weg erst einmal sehr einfach erscheint, entbindet es den Therapeuten nicht von seiner Verpflichtung, gewissenhaft zu arbeiten. Es ist im Sinne des leidenden Patienten jedoch sinnvoll, erst einmal einen Behandlungsversuch zu vorzunehmen, da sich der Erfolg überwiegend sofort zeigt. So kann “ex iuvantibus”, das heißt durch den Therapieerfolg, schon die Diagnose gestellt werden. Denn wenn die Sympathikus-The­rapie geholfen hat, muss eine den Sympathikus irritierende Blockierung vorgelegen haben.

Durch dieses Vorgehen könnten viele überflüssige und oft überaus kostspielige apparative Untersuchungen wie Computertomografie, Magnetresonanztomografie und Röntgen reduziert werden. Denn diese Untersuchungen sollten primär dazu dienen, einen zuvor geäußerten Verdacht zu bestätigen oder zu verwerfen. Die Verordnung für diese Untersuchungen wird jedoch in der heutigen Zeit mehr und mehr dazu verwendet, Untersuchungszeit einzusparen und statt dessen eine Diagnose auf anderem Wege zu finden. Dies führt nicht selten zu reinen Röntgendiagnosen, die klinisch nicht relevant sind. aber den Patienten im Sinne eines “Nocebos” krank machen.

Wie wir zu Beginn des Medizinstudiums lernten, führen eine sorgfältige Anamnese und eine gründliche Untersuchung in ca. 95% der Fälle zur richtigen Diagnose. Mit der Sympathikus-Therapie existiert außerdem ein schnelles und nahezu risikoloses Heilmittel, das in vielen Fällen eine Soforthilfe leistet. Wir hoffen, ihr mit unseren Darstellungen den Platz in der Medizin zu verschaffen, der ihr unseres Erachtens nach zusteht.