Therapie

Allgemeines

Das breite Spektrum von Erkrankungen, die von der Wirbelsäule erzeugt werden, sind primär im allgemeinmedizinischen Bereich zu finden. Dem praktizierenden Therapeuten ist eine jahrelange manualtherapeutische Ausbildung nicht zuzumuten. Dennoch ist es wünschenswert, dass er in Kenntnis der oben geschilderten Zusammenhänge rasch tätig werden kann. Deswegen sind wir in unseren Praxen bemüht, möglichst einfache und zielführende Verfahren zu erarbeiten, die effektiv und ökonomisch und somit auch im Kassenbereich anwendbar sind. Wir beziehen uns nach dem Motto „Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten“ auf die in der Allgemeinarztpraxis überwiegend auftretenden Syndrome, die nach unserer Kenntnis erfolgreich manualtherapeutisch angehbar sind. Schwierige anatomische Strukturen wie Skoliosen oder die Behandlung von Kopfgelenksblockierungen sollten dann in eine manualtherapeutisch versierte Fachpraxis überwiesen werden.

Aus dem breiten Strauß der manualtherapeutischen Techniken wird es sicher noch effektivere als die uns geläufigen geben. Wir hoffen auf regen Kontakt mit Verbesserungsvorschlägen, die wir dann gerne in die nächste Ausgabe dieses Buches integrieren. Wichtig ist dabei primär, wie einfach zu erlernen, sanft und zielführend die Technik ist. Für uns ist die Kombination aus Reflex- und Manualtherapie bisher am schnellsten und effektivsten.

Wir begreifen das Gelenk mit den umgebenden Weichteilen und seiner Muskulatur immer als Einheit und behandeln beide gleichzeitig. Nach unseren Erfahrung kann nur dieses Vorgehen zu einem relativ nachhaltigen Ergebnis führen. Nach alleiniger chirotherapeutischer Impulstechnik erfährt der Patient oft schon ein Rezidiv nach dem Verlassen der Praxis, da die muskuläre Verspannungen weiterhin bestehen.Wurde jedoch andererseits durch eine sanfte Muskeltechnik nur der Muskel entspannt und das Gelenk nicht völlig frei beweglich geworden, ist auch hier der Erfolg oft nicht von langer Dauer.

Therapeuten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Ausbildung, sondern auch sehr in ihrem Zeitmanagement. Physiotherapeuten, Heilpraktiker und Privatärzte verfügen über ein größeres therapeutisches Zeitfenster als Kassenärzte. Diese haben nach Maßgabe der Krankenkassen die finanziellen Ressourcen der Patienten zu schonen und deshalb primär wirtschaftlich, das heißt, besonders zeitökonomisch zu arbeiten. Weiterhin sind die Ausbildungsstandards bezüglich der Möglichkeit, den Körper mit den Händen zu erfahren, zu begreifen und zu therapieren, sehr unterschiedlich. Es ist deswegen nicht möglich, ein allgemein gültiges Prozedere der Therapie darzustellen. Aus diesem Grund schlagen wir unterschiedliche Behandlungsalgorithmen vor.

Behandlungsprinzip

Wir behandeln den Sympathikus mit verschiedenen Techniken. Dabei ist uns bewusst, dass es noch mehr Möglichkeiten der Einflussnahme gibt, für das Vorgehen in den im Buch aufgeführten Krankheitsfällen ist unser Vorgehen jedoch ausreichend.

  • Chirotherapie des zugehörigen Gelenkes
  • Dorn-Therapie des betroffenen Wirbels bzw. Iliosakralgelenkes
  • Mikropressur an gelenknahen Schmerzpunkten in der Haut an der Wirbelsäule
  • Setzen mindestens einer Dauernadel oder anderen Reizes am gelenknahen Haut-Schmerzpunkt
  • Evtl. Setzen einer Dauernadel oder anderen Reizes an Fernpunkten

In vielen Fällen ist eine der aufgeführten Techniken ausreichend. Es gibt aber auch besonders hartnäckige Störungen, die mit allen Techniken behandelt werden müssen, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Die Häufigkeit der erforderlichen Behandlungen ist ebenfalls sehr variabel: Ein Teil der Erkrankungen ist schlagartig und auf Dauer verschwunden, andere müssen regelmäßig behandelt werden und führen erst allmählich zu einer Linderung.

Bestandteile der Sympathikustherapie:
1. Chirotherapie
2. Dorn-Therapie
3. Mikropressur
4. Setzen einer Dauernadel
5. Suche nach Fernpunkten

In vielen Fällen reichen ein oder zwei der Punkte 1. – 4. für eine erfolgreiche Behandlung aus.

Hausärztliche Kassenpraxis

Wie schon erwähnt ist gerade in der kassenärztlichen Hausarztpraxis die Anwendung der Sympathikustherapie wegen des breiten Spektrums der hier vorkommenden vertebragenen Erkrankungen am effektivsten. Wegen des Zeitbudgets ist jedoch die im Diagramm teilweise dargestellte komplexe Therapie kaum durchführbar. Eine rein symptomorientierte Behandlung wird sich deswegen primär als zweckmäßig erweisen.

Nach unseren Erfahrungen ist hier die weiter unten erwähnte Dorn-Therapie zu empfehlen. Sie hat sich besonders im Bereich der Brustwirbelsäule für uns als schnell, wirkungsvoll, ungefährlich und leicht erlernbar gezeigt hat. Die positiven Erfahrungen bei der Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie im Bereich der Brustwirbelsäule sind erst durch die Anwendung dieser Methode möglich geworden. Alle vom Modell der vertebro-vegetativen Koppelung ableitbaren Erkrankungen von Thorax und Abdomen können mit dieser Methode effektiv behandelt werden. Auch die Korrektur der Fehlstellung des Iliosakralgelenkes ist innerhalb von Sekunden durchführbar. Die Erlernung der entsprechenden Technik ist in einem Wochenendkurs möglich. Die Behandlung von Brustwirbelsäule und Iliosakralgelenk erfordert insgesamt nicht mehr als eine Minute, wenn unter Anleitung des Modells der vertebro-vegetativen Koppelung diagnostiziert wird.

Fast alle chronischen Syndrome unterhalb des Beckenkamms werden nach unserer Erfahrung durch eine Beckenverwringung verursacht oder ungünstig beeinflusst. Nach einem grob orientierenden Ausschluss eines lumbalen Bandscheibenprolapses können diese Erkrankungen mit der Methode nach Dorn sehr schnell behandelt werden.

Beschwerden der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule sind zwar auch mit dieser Methode ebenfalls behandel-, aber nicht so einfach durchführbar wie im Bereich von Brustwirbelsäule und am Iliosakralgelenk. Die Studienlage sieht hier auch keinen sehr großen Benefit der Manualtherapie gegenüber der Standardtherapie mit NSAR (Diclo­fenac, Ibuprofen) und Muskelrelaxantien.

Die Behandlung der Kopfgelenke, durch deren Blockierung ebenfalls ein breites Spektrum von Syndromen induziert werden kann, gestaltet sich schwieriger. Hier ist für den manualtherapeutisch unerfahrenen Behandler primär die später beschriebene Mikropressur kombiniert mit Akuperm, Anwendung von Mikrosystemen und der Eigenbehandlung (zum Beispiel „Zilgrei“) zu empfehlen. Weiterhin ist die Mobilisierung nach Hack erfahrungsgemäß erfolgreich, jedoch zeitaufwändiger.

Privatpraxis und Heilpraktiker

Hier wird das Interesse an der Sympathikustherapie vor allem in den Praxen bestehen, die manualtherapeutisch ausgerichtet sind. Da die KollegInnen sicherlich schon fundierte Therapieschemata haben, ist zu diskutieren, ob die Mischung von unterschiedlichen Modellen in der Praxis sinnvoll ist:

Nach jahrzehntelangen Erfahrungen mit vielen alternativen Methoden habe wir festgestellt, dass diese relativ zur Sympathikustherapie ineffektiv sind.

Physiotherapeutische Praxis

Gerade für die Tätigkeit der Physiotherapeuten stellt die Sympathikustherapie mit ihren Techniken eine wesentliche Bereicherung dar. Hier sollte sich die Aneignung der Methode am meisten lohnen. Im Bereich der Massage, die bisweilen vom Patienten als schmerzhaft empfunden wird, kann die Mikropressur Hervorragendes leisten. Eigene nicht kontrollierte Vergleichsuntersuchungen von Mikropressur und klassischer Massage-Therapie wiesen eine identische Besserung der Muskelspannung auf. Im Bereich der Lymphtherapie konnte eine Vergleichsstudie sogar eine Überlegenheit der Mikropressur trotz wesentlich kürzerer Behandlungsdauer (wenige Minuten) nachweisen.

Da wir Muskel und Gelenk als Einheit sehen, wird nach unserer Auffassung die Therapie, die beides gleichzeitig behandelt, die erfolgreichste sein. Die Entspannung der Muskulatur durch die Mikropressur wird nachhaltig unterstützt durch die Akuperm-Methode, wobei statt Dauernadeln auch Magnetkügelchen verwendet werden können. Eine zusätzliche, sehr effektive Methode ist die Manufit-Methode (S. 45) Sie führt in dieser Kombination fast prinzipiell zum Erfolg.

Besonders für den Kassenbereich können Krankengymnasten nach Zuweisung die Therapie leisten, die dem Hausarzt aus zeitlichen und fachlichen Gründen nicht möglich ist. Eine Gefährdung des Patienten oder eine Verschlechterung seines Zustandes ist mit den beschriebenen Anwendungen nicht zu befürchten. Wir nehmen stark an, dass eine Erweiterung des Anwendungsspektrums, die über rein orthopädische Erkrankungen hinausgeht wie zum Beispiel die Behandlung einer Refluxösophagitis, für den Physiotherapeuten eine wesentliche Bereicherung darstellt.

Diagnostisches und therapeutisches Werkzeug

Benötigt werden für die Untersuchung und Behandlung neben den Händen zwei Punktsuchstifte mit einem Durchmesser der abgerundeten Spitze von 6 und 2,5 mm sowie Akupunktur-Dauernadeln, wobei es nadelfreie Alternativen gibt. Mit den Stiften können die typischerweise vorhandenen, sehr empfindlichen Hautpunkte gesucht werden. Dabei sind dem Patienten mehrere Punkte mit gleicher Druckintensität zum Vergleich anzubieten. Es bedarf einiger Übung, mit dieser Methode richtig zu verfahren. Aber je genauer das punctum maximum lokalisiert wird, umso besser ist das anzunehmende Ergebnis. Ein besonders guter Therapieerfolg ist zu erwarten, wenn der Patient bei Druck auf einen bestimmten Punkt ausstrahlende Schmerzen empfindet.

Behandelt wird zunächst mit der Spitze eines Kugelschreibers oder eines Golf-Tees (siehe Abbildung), indem man den gefundenen Punkt ganz leicht (wie „hingehaucht“) touchiert.

Abbildung 6: Die unterschiedlichen Spitzen der Stifte

Dauernadeln-k

Abbildung 5: Dauernadeln

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Abbildung 4: Untersuchungs- und Behandlungsstifte

 

Behandlungstechniken

Die Techniken der Chirotherapie zur Behandlung der betroffenen Wirbel sind vielfältig und müssen der Erfahrung des Behandlers überlassen bleiben. In unsere orthopädischen und allgemeinärztlichen Praxis kommen folgende Techniken zum Einsatz:

  1. Auch wenn die Mikropressur primär nicht als manualtherapeutische Methode nachvollziehbar ist, so konnten wir jedoch sehr häufig feststellen, dass die alleinige Berührung eines Tenderpoints eine Blockierung zu lösen vermag. Da die Mikropressur zur Entspannung von Muskulatur und periartikulärem Bindegewebe führt, hat diese Methode die Potenz aller anderen Therapiesysteme, die wie sanfte osteopathische Techniken allein über die Lösung dieser Verspannungen arbeiten. Der Vorteil relativ zu den anderen Techniken ist die leichte Durchführbarkeit und Geschwindigkeit der Anwendung. Es bedarf hierfür auch keiner aufwendigen Schulung.
  2. Ist diese Methode erfolgreich gewesen, wird je nach Einschätzung der Stabilität des therapeutischen Ergebnisses eine aus der Ohrakupunktur bekannte Dauernadel (oder ein Magnetkügelchen) auf den Tenderpoint appliziert. Diese Akuperm genannte Methode stabilisiert erfahrungsgemäß das erzielte Ergebnis.
  3. Sollten obige Verfahren nicht zum Erfolg geführt haben, wenden wir für den Bereich Brustwirbelsäule und Iliosakralgelenk Techniken der Dorn-Methode an.
  4. Falls auch hier keine mindestens 40%-ige Linderung der Beschwerden erfolgt ist, werden je nach Konstitution des Patienten Techniken der Manufit-Methode (S. 45) oder die in der Manualtherapieausbildung gelern­ten Griffe angewendet.

Orientierung

Am Atlas ist die Orientierung einfach, da dessen Querfortsatz im Sitzen immer am Ende des Winkels zwischen Mastoid (Warzenfortsatz) und aufsteigendem Kieferast zu tasten ist. Manchmal liegt er nah am hinteren Unterkieferast und wird erst durch Drehung des Kopfes zur Gegenseite gut tastbar. Häufig ist in Rückenlage eine einseitige Verspannung direkt unterhalb der Occipitalschuppe hinter dem hinteren Atlasbogen fühlbar.

In der Brustwirbelsäule empfiehlt es sich, oben mit der Zählung zu beginnen. Der 7. Halswirbel ist als Vertebra prominens meist sehr markant. Der Dornfortsatz des 6. Halswirbels darüber verschiebt sich bei der Retroflexion des Kopfes nach vorn, so dass er nicht mehr fühlbar ist, da er sich auf den 7. Halswirbel legt. Der Dornfortsatz des 1. Brustwirbels ist unter dem Prominens gut tastbar.

Üblich ist, sich in der Brustwirbelsäule an markanten Punkten zu orientieren, so liegt der Dornfortsatz des 7. Brustwirbels in der Regel zwischen den unteren Schulterblattwinkeln. Man muss dabei jedoch bedenken, dass die Stellung der Schulterblätter muskelspannungsbedingt recht variabel sein kann und sich mit zunehmenden Alter auch aus anderen Gründen verschieben kann: Zum einen werden die Bandscheibenräume schmaler und zum anderen kann die Brustwirbelsäule durch Wirbelbrüche niedriger geworden sein. Der unterste 12. Brustwirbel ist, besonders bei schlanken Patienten, leicht zu erkennen, da er im Gegensatz zur länglichen Kontur des Dornfortsatzes des 1. Lendenwirbels eine runde Form hat.

Roentgenbild ISG-markiert

Abbildung 7: Orientierung am Iliosakralgelenk. A: oberer Darmbeinstachel, B: unterer Darmbeinstachel, C: Iliosakralgelenk dorsal, D: Iliosakralgelenk ventral (Kanten nachgezeichnet)

Das Iliosakralgelenk hat eine variabele, meist trapezähnliche Form mit unregelmäßigem Gelenkverlauf. Die vordere Begrenzung des Gelenkes ist wesentlich länger als die hintere und nicht tastbar. Wir richten uns bei der Orientierung nach dem hinteren Gelenkverlauf. Man kann sich am besten an den Grübchen orientieren, die immer über den hinteren oberen Darmbeinhöckern (Spina iliaca posterior superior) liegen. Wenn man von dort schräg nach unten innen tastet, kommt man in 4-6 cm Abstand zum unteren Darmbeinhöcker (Spina iliaca posterior inferior). Der obere Darmbeinhöcker liegt in Höhe S1 am oberen und der untere Darmbeinhöcker liegt am unteren Ende des Iliosakralgelenkes in Höhe von S3. S4 und S5 befinden sich entsprechend weiter kaudal auf dem Kreuzbein oder am äußeren Rand.

Punktsuche und Punktbehandlung

Abbildung 9: Punktsuche mit dem Stift

Abbildung 8: Punktfeld, der Maximalpunkt ist durch stärkeren Druck markiert

Hierfür verwenden wir Suchstifte mit abgerundeten Spitzen (Abb). Liegt ein Punkt mehr in der Tiefe (Iliosakralgelenk, dicke Weichteile), dann eignet sich die stumpfe Spitze besser, die dünnere kann den zu behandelnden Punkt besser lokalisieren. …………….

Mikropressur

Die wesentliche Voraussetzung für die Durchführung der Mikropressur ist das Finden des Tenderpoints.

Abbildung 10: Mikropressur (die Haut wird nur berührt)

Da schon Simons und Travell die Definitionen des Begriffes „Tenderpoint” als ungeklärt beschreiben, erlauben wir uns, darzustellen, was wir unter Tenderpoint verstehen. SSie sind im Gegensatz zu den „fortgeleiteten Schmerz” auslösenden Triggerpoints nicht in der Mitte des Muskels, sondern am Knochenansatz zu finden, weisen eine hohe Druckdolenz auf und sind oft als Schwellung und Verhärtung zu palpieren. Die Behandlung dieser Punkte ist bei genauer Detektion mit einer sofortigen Beschwerdereduktion verbunden. Die Behandlung von Triggerpoints halten wir nicht für erforderlich, da sie sich bei der direkten Behandlung als therapierefraktärer erweisen und sich durch die erfolgreiche Tenderpoint-Behandlung überwiegend von selbst auflösen. Auch sind die Tenderpoints die wichtigeren, da sie millimetergenau zu detektieren sind1. Damit sind sie das bessere therapeutische Vehikel zur Applikation der später beschriebenen Dauernadeln.

Tenderpoints als Folge von Blockierungen

Als Beispiel seien die Tenderpoints vier Querfinger neben der Medianen (Verlauf des äußeren Blasenmeridians der TCM-Akupunktur) auf einer Rippe genannt. Ihre Entstehung kann die dauerhafte Anspannung des Musculus iliocostalis durch die kranialiserte Rippe erklären. (Wie die typische Druckschmerzhaftigkeit des Dornfortsatzes auf der Seite der Abweichung entsteht, war für uns bisher nicht erklärbar).

Wie oben beschrieben, lassen sich mit der Mikropressur indurierte Punkte oder verspannte Muskeln „aufweichen“. Warum nun die erfolgreiche Behandlung des Tenderpoints eine Heilreaktion auslöst, ist unbekannt und primär unverständlich. Denn der Tenderpoint ist ja nur Folge eines Muskelspasmus, der wiederum sekundär als Reaktion auf eine Blockierung induziert wurde. Das entspricht der Erfahrung, dass auch über Reflexpunkte in Mikrosystemen eine erfolgreiche Beeinflussung des erkrankten Organs möglich ist. Warum die Behandlung der „Reaktion“ ausreicht, zum Beispiel eine durch eine Blockierung des vierten BWK ausgelöste Herzrhythmusstörung zu sanieren, ist für uns weiterhin rätselhaft. Aber wir können diesen Effekt ausnützen, um das vegetative Nervensystem erfolgreich zu behandeln.

Bezüglich der Entstehung des Tenderpoints und des darüber liegenden elektrophysiologisch mit einem Suchgerätes nachweisbaren Hautpunktes vertreten die Autoren eine unterschiedliche Auffassung. D. Heesch betrachtet den Periostpunkt als den primären Punkt, der aus ungeklärten Gründen sich auf das direkt senkrecht darüber liegende Gewebe auswirkt. Ein Versuch mit dem Tenderpoint auf dem Angulus der fünften Rippe bei der Supraspinatus-Tendinopathie war Anlass für diese Vorstellung.

In diesem Fall ließ sich der Tenderpoint durch Schmerzauslösung auf dem Periost der Rippe mit einem Suchgriffel als auch durch ein Hautwiderstandsmessgerät direkt über dem Punkt nachweisen. Wurde durch die Retraktion des Schulterblattes nach medial der Periostpunkt verdeckt – da nun unterhalb des Schulterblattes – konnte er durch Schmerzauslösung nicht mehr detektiert werden. Der Hautpunkt blieb jedoch weiterhin messbar; jedoch nur für durchschnittlich fünf Minuten. Dann war er nicht mehr nachweisbar. Wurde das Schulterblatt wieder nach außen gezogen und der Angulus der Rippe wieder tastbar, war der Tenderpoint sofort durch lokalen Druck nachweisbar. Er hatte sich nicht aufgelöst wie der Hautpunkt. Daraus ist zu schließen, dass der Periostpunkt der Primäre ist, der den darüber liegenden Hautpunkt dann erst generiert.

H. Steinrücken sieht in der Entstehung der Tenderpoints eine intrakutane Ausbildung eines Somatotops als Folge der Irritation des vegetativen Nervensystems. Die Tenderpoints liegen in der Haut, nicht im Muskel-Sehnen-Ansatz, denn zum einen sind sie auch bei einer sehr dicken Unterhautgewebeschicht oberflächlich aufspürbar und zum anderen wandern sie bei Verschiebung der oberflächlichen Hautschicht mit der Haut mit. Bei erfolgreicher ursächlicher Beseitigung der Schmerzen müsste demnach auch der Tenderpoint wieder verschwinden. Andererseits kann über dieses Somatotop auch der Schmerz beseitigt werden (vergl. Ohrakupunktur).

Tenderpoints als direkte Folge muskulärer Verspannungen

In Anbetracht der Funktionseinheit von Gelenk und Muskel wird es bei einer dauerhaften Verspannung eines Muskels zu einer Fixierung des zugehörigen Gelenkes in einer bestimmten Position kommen. Diese Fixierung scheint oft, aber nicht zwangsläufig, eine Blockierung zur Folge zu haben. Das bedeutet, das sich in letzterem Fall die Fehlstellung des Wirbels durch einen chirotherapeutischen Impuls nicht bessert, wohl aber durch die Dorn-Therapie und die Tenderpoint-Behandlung.

Abbildung 11: Punktsuche mit dem breiten Stiftende

Gefunden werden die Tenderpoints grob orientierend durch die „Kiblerfalte“. Hierbei wird das zu untersuchende Gewebe auf dem Rücken paravertebral zwischen Daumen und Mittel-/Ringfinger zu einer Falte angehoben und dann diese Falte in vertikaler Richtung weitergerollt. „Läuft“ die Falte nicht „durch“, befinden wir uns in einer Reaktionszone. Wie schon bei der Detektion von Reflexpunkten beschrieben, scheint ein von einem Periost-Tenderpoint ausgehender Reiz das Bindegewebe senkrecht darüber zu indurieren, was sogar zu einer unterschiedlichen Leitfähigkeit der Haut führt. Auch hier sind im Areal der stockenden Kiblerfalte mit Hautwiderstandsmessgeräten Punkte zu finden. Weiterhin kann durch sanftes Bestreichen der Haut eine „Verstumpfung“ und leichte Verquellung getastet werden.

Das genaue Lokalisieren des Tenderpoints gelingt dann weiter durch Druck mit dem Daumen und dann mit der feinen Spitze des Suchstiftes wie unter Punktsuche und Punktbehandlung beschrieben. Sollte kein eindeutiger Punkt zu finden sein, muss die breite Spitze des Suchstiftes eingesetzt werden.

Technik der Mikropressur

Durch das sanfte Touchieren der Haut senkrecht über dem als Verhärtung getasteten Areal des verspannten Muskels, des Tenderpoints am Muskelansatz oder des periartikulären Bindegewebes lässt sich das darunter liegende Gewebe „aufweichen“. Dieses Verfahren wurde Mikropressur genannt (siehe www.mikropressur.de. Auf dieser Seite werden auch weitere Indikationen für die Mikropressur dargestellt). Für die Berührung reicht die Spitze eines Golf-Tees oder eines Kugelschreibers vollkommen aus (Abbildung).

Die Art der Durchführung macht einen Placeboeffekt unwahrscheinlich. Im Gegensatz zur Therapie mit Geräten oder Nadeln hat die alleinige Berührung mit einem Stift eher die symbolische Bedeutung einer Nichtbehandlung als die einer therapeutischen Intervention. Erfolgt dennoch eine Besserung der Beschwerden, kann der Behandler davon ausgehen, dass allein diese Technik ohne „side effects“ wirksam war. Damit kann die Mikropressur als eine wirksame Therapie angesehen werden.

Die Erfahrung zeigt, dass mit der sanften Berührung generell pathologisch „Verhärtetes“ wie auch Sehnenganglien und Hämatome aufgeweicht werden können. Nach der Berührung muss dem Organismus jedoch eine Reaktionsphase in Ruhe von zwei Minuten gegeben werden, um ein stabiles Ergebnis erreichen zu können. Durch die Normalisierung der Gewebespannung gibt es jetzt keine Hindernisse im Bereich von Muskulatur und Bindegewebe mehr. Die Lösung der Gelenkblockierung bedarf dadurch eines erheblich geringeren Aufwandes.

Da die Mikropressur generell bei pathologischen Indurationen anwendbar ist, können auch die Reflexpunkte eines Mikrosystems mit dieser Technik behandelt werden. Auch hier werden die im Mikrosystem als Reaktion auf somatische Erkrankungen entstehenden Punkte als Verhärtung des subkutanen Bindegewebes tastbar. Wird dieser Punkt, egal durch welches Verfahren, zum Verschwinden gebracht, wirkt sich dies zumindest vorübergehend positiv auf die so behandelte Erkrankung aus. Die Erfahrung zeigt, dass ein völliges Verschwinden des Reflexpunktes einhergeht mit dem Ausheilen des zugehörigen Syndroms. Über diesen Punkt ist sogar eine semiquantitative Aussage über den Zustand der Erkrankung zu machen. Eine sanftere und schnellere Methode ist kaum vorstellbar.

Weiterhin zeigt die Erfahrung, dass häufig schon allein die Therapie in einem Mikrosystem ausreichen kann, um eine Erkrankung ausreichend zu behandeln. Wegen der schnellen Anwendbarkeit der Mikropressur sind innerhalb von Sekunden addierend sowohl lokale und periphere (Mikrosystem) Anwendungen möglich.

Mikrosysteme

Mikrosysteme sind auf der Haut mittels elektrischen Hautwiderstandsmessgeräten oder durch Palpation zu findende Areale, die holistisch den gesamten Körper repräsentieren. Da auch psychische Syndrome an materielle Funktionen im Gehirn gebunden sind, lassen sich über Mikrosysteme auch derartige Erkrankungen beeinflussen. Unterhalb der Epidermis sind häufig Verquellungen zu tasten, die bei entsprechender Unterlage festem Untergrund (meist Knochen) auch druckdolent sind. Bei Verschiebung der Haut zur Seite bleibt die Druckdolenz jedoch auf dem vorher detektierten Periostpunkt. Daher ist anzunehmen, dass hier ein komplexes System, das sich nicht nur auf die Haut beschränkt, vorliegt. Eine zufriedenstellende Erklärung für die Entstehung dieser Systeme und ihre Wirkungsweise ist bisher nicht erbracht worden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass eine Erkrankung sich nahezu prinzipiell in einem Mikrosystem abbildet.

Setzen von Akupunktur-Dauernadeln (Akuperm)

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Abbildung 12: Applikation einer Dauernadel bei Kreuzschmerz

Im Gegensatz zur chinesischen Akupunktur, bei der die Punkte überwiegend in der Tiefe gefunden werden sind, setzen wir eine winzige, aus der Auriculotherapie (Ohrakupunktur) bekannte Dauernadel an den mit dem Suchstift gefundenen Hauptschmerzpunkt auf der Haut. Der intradermale Kontakt mit den Nadeln ist so gering, dass auch bei Nickelallergien bisher keine ekzematischen Entzündungen zu verzeichnen waren. Wesentlich ist die exakte Applikation der Nadel auf das punctum maximum. Wird dieser Punkt nicht millimetergenau getroffen, ist der gesetzte Reiz wirkungslos. Wird die Nadel nur einen Millimeter daneben gesetzt, empfindet der Patient schon nach kurzer Zeit starke Schmerzen, bei mehr als fünf Milimetern Fehlplazierung ist keine schmerzhafte Nebenwirkung, aber auch keine Wirkung zu erzielen. Deswegen ist die sorgfältige Suche nach dem Punktum maximum für die Anwendung der Akuperm-Methode unerlässlich. Die Dauernadel hält je nach Lokalisation zwischen Tagen und Wochen, hat ihre Wirkung aber überwiegend schon nach einem Tag vollbracht.

Akuperm in der Sportmedizin

Die Akuperm-Methode ist auch für die Sportmedizin und Traumatologie eine überaus elegante Therapie. Nach Aufsuchen eines punctum maximum im Schmerzareal nach der sogenannten DAWOS-Methode („Da wo`s weht tut“) wird die Dauernadel millimetergenau appliziert und dann mit einem weiteren Pflaster gesichert. So lassen sich Schmerzen bei Tendinopathien, bei einer Styloiditis ulnaris, bei einer Gonarthrose oder ganz besonders bei Fersensporn sofort kupieren.

Dorn-Therapie

Diese Methode wurde von Dieter Dorn, einem bayrischen Sägewerksbesitzer, etwa im Jahre 1975 erfunden und von ihm an andere medizinische Laien weitergegeben. Die anatomischen und pathogenetischen Vorstellungen waren anfangs sehr abstrus und die Methode war deshalb deswegen von der Schulmedizin abgelehnt worden. Die Technik ist jedoch derart effektiv, dass sich die Dorntherapie nicht nur in Laienkreisen, sondern auch bei Physiotherapeuten und fast allen Heilpraktikern in sehr kurzer Zeit durchgesetzt hat.

Die Methode legt viel Wert auf die Behandlung der Brustwirbelsäule. Für das Thema des Buches ist es der wichtigste Abschnitt der Wirbelsäule. Hier ist die Dorn-Technik mit Ausnahme des zerviko-thorakalen Übergang auch so erfolgreich wie in keinem anderen Areal und erfolgreicher als alle anderen uns bekannten Techniken. Wir nehmen an, dass der große Erfolg der Methode einerseits darin gründet, dass sowohl Gelenk als auch Muskulatur gleichzeitig behandelt wird. Andererseits liegt bei der Dorn-Therapie die Brustwirbelsäule neben dem Iliosakralgelenk im Zentrum der Aufmerksamkeit – zwei Körperregionen, die neben den Kopfgelenken die Bereiche darstellen, in denen die Sympathikustherapie ansetzt.

Die Dorn-Therapie ist nicht sanft, nicht für den Patienten und auch nicht für den Therapeuten. Durch die vorausgehende Anwendung der Mikropressur wird jedoch sowohl die Dorn-Methode als auch die chirotherapeutische Impulstechnik wesentlich erleichtert.

Die Modelle sind mittlerweile revidiert und naturwissenschaftlichen Kenntnissen angepasst worden. Leider findet augenblicklich wieder eine Verquickung mit dem vorwissenschaftlichen Wirkmodell der TCM-Akupunktur statt. Die Sympathikustherapie soll helfen, sich von derartigen ineffektiven Modellen zu lösen, damit die Dorntherapie auch von naturwissenschaftlich ausgebildeten Therapeuten akzeptiert werden kann und sie damit die Anerkennung in der Schulmedizin erhält, die ihr unseres Erachtens nach zusteht. Es ist aber zu betonen, dass wir für unser therapeutisches System nur einige und auch modifizierte Techniken der Dorntherapie verwenden.

Die Lehre der Dorntherapie legt Wert auf eine Behandlung der gesamten Wirbelsäule in jeder Sitzung. Dies mag für den Erfolg der Anwendung vorteilhaft sein, ist aber aus zeitökonomischen Gründen als Primärbehandlung nicht notwendig. Es soll dem Patienten durch die gezielte Behandlung des einen relevanten Wirbels der Zusammenhang zwischen Blockierung und Erkrankung offensichtlich werden. Weiterhin ist es für die Erkenntnisgewinnung des Therapeuten nicht sinnvoll, polypragmatisch zu behandeln. Wir haben uns immer bemüht, möglichst monopragmatisch zu arbeiten, da nur so die Zusammenhänge eindeutig erkennbar zum Vorschein kommen. Natürlich kann es sinnvoll sein, nah zusammenhängende Störungen wie z.B. nächtliche Arm- und Ellbogenschmerzen, mit Kribbelgefühlen in den Händen und Heberdenarthrose in einer Sitzung zu behandeln. Überdies ist nach unseren Erfahrungen für einen ausreichenden Therapieerfolg nur in wenigen Fällen die Behandlung der gesamten Wirbelsäule erforderlich.

Wie aus der breiten Palette der weiter unten beschriebenen Fallbeispiele hervorgeht, sind gerade Allgemeinärzte die Ansprechpartner der Sympathikustherapie. Diese sind meist nicht “wirbelsäulenaffin”. Ein komplexes Behandlungsmodell mit langdauernden Ausbildungzeiten würde eher abschrecken. Damit würden viele Patienten nicht in den Genuss der Erfolge der Sympathikustherapie kommen.

Die Dorn-Methode beruht im Bereich der Brustwirbelsäule darauf, dass muskuläre und bindegewebige Verspannungen zu Rotationsfehlstellungen von Wirbeln und diese zu unterschiedlichen Störungen im Körper führen. Im Bereich der Brustwirbelsäule werden durch Pendelbewegungen der Arme (wie beim Marschieren) Schwingungen erzeugt, die unter gleichzeitigem Druck mit dem Daumen auf die laterale Fläche des betroffenen Dornfortsatzes zu einer tendenziellen Korrektur der Fehlstellung des Wirbels führen. Pro Wirbelfehlstellung werden durchschnittlich fünf Armschwünge benötigt. Mehrfache Wiederholungen sind angezeigt. Am cervicothorakalen Übergang sollte diese Technik durch gleichzeitige Kopfrotation des Patienten unterstützt werden, da die Armbewegung hier nur ungenügenden Einfluss hat.

Wird nur ein Wirbel für die symptomatische Therapie behandelt – wie zum Beispiel der nach rechts verschobene Dornfortsatz des 6. Brustwirbelkörpers bei der Refluxösophagitis oder der morgendlichen Gastritis – ist diese Technik in wenigen Sekunden durchführbar. Da wir je nach Syndrom wissen, welcher Wirbel blockiert sein wird, ist das Aufsuchen des Dornfortsatzes rasch geschehen. Gesichert wird die richtige Lokalisation durch die Schmerzhaftigkeit der Dornfortsatzflanke auf der Seite der Rotationsrichtung der Fehlstellung.

Bei adipösen Patienten wenden wir gerne eine „passive“ Variante der Dorntherapie an. Hierbei liegt der Patient auf dem Bauch. Dadurch fallen die paravertebralen Weichteile zur Seite. Auch die paravertebrale Muskulatur kann entspannen und behindert nicht das Auffinden des blockierten Wirbels. Der indizierte Dornfortsatz wird in der gleichen Weise wie bei der Technik im Stehen mit dem Daumen der kopfseitigen Hand nach medial gedrückt. Die Rotation der Wirbelsäule wird nun vom Behandler durchgeführt, indem er mit seiner fußseitigen Hand an den gegenüberliegenden Beckenkamm des Patienten greift und das Becken in rotierende Schwingungen versetzt.

Wie bei einem an einer Mauer befestigten schwingenden Seil entsteht der größte Kraftvektor am Fixierungspunkt des Seils. Das Festhalten des Dornfortsatzes mit der Hand entspricht dann diesem Fixierungspunkt der mit der anderen Hand ausgelösten Schwingung. Mit dieser Technik in Bauchlage lassen sich auch bei Patienten mit starken Schmerzen, denen die Behandlung im Stehen nicht zumutbar ist, Blockierung im Bereich der Brustwirbelsäule leicht lösen.

Diese Schmerzhaftigkeit der Dornfortsatzflanke ist gerade bei der Post-Zoster-Neuralgie ein therapeutisches Problem. Die Schmerzen sind oft so stark, dass der Patient die Anwendung verweigert. Nach der Infiltration der Dornfortsatzflanke mit einem Lokalanästhetikum ist die Therapie jedoch schmerzlos durchführbar.

Auch im Bereich des Iliosakralgelenkes erweist sich die Dorn-Therapie von der Zeitökonomie als sehr effizient. Die folgenden Hinweise gelten überwiegend für die kassenärztliche Praxis, in der die Therapie sich, wie oben erwähnt, nach politisch vorgegeben „wirtschaftlichen“ Kriterien zu richten hat:

Vermutlich auf Grund der Einwirkung der Corioliskraft [Plato und Hack] besteht auf der Nordhalbkugel eine Blockierungspräferenz des rechten Iliosakralgelenkes von über 90% mit Rotation der Beckenschaufel nach hinten. Daher kann versuchsweise bei Schmerzen rechts erst das rechte Iliosakralgelenk behandelt werden. Ist der Schmerz auf der linken Seite, wird bei feststehendem linken Bein und Beinpendel rechts das Kreuzbein in der Mitte nach vorne geschoben und hierdurch das linke Iliosakralgelenk therapiert.

Die Technik folgt auch hier dem schon bei der Brustwirbelsäule beschriebenen Prinzip, der durch eine Pendelbewegung auf ein Gelenk einwirkende Kraft durch Gegenhalten entgegenzuwirken. Der Patient stellt sich vor eine offene Tür mit dem linken Fuß auf ein ungefähr drei Zentimeter dickes Buch. Er hält sich mit beiden Händen am Türrahmen fest und pendelt mit dem rechten Bein im Hüftgelenk vor und zurück. Der Therapeut stabilisiert den Patienten durch Umschlingung des Patientenbauches und Beckens mit dem linken Arm. Mit dem auf dem hinteren oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca posterior superior) ruhenden Handballen der rechten Hand wird im Augenblick des Durchschwingens des Beins nach hinten mit der Hand ein Druck nach ventral ausgeführt. Auch hier genügen primär fünf Pendelbewegungen nach denen dann der Erfolg der Therapie überprüft wird.

Im Gegensatz zur der in den Kursen gelehrten Version, bei der der Patient sich an eine Stuhl,Tisch oder der Wand abstützt, ist durch obige Anleitung eine größere Schwingungsamplitude und damit Krafteinwirkung auf das Iliosakralgelenk möglich. Nach unseren Erfahrungen sind so weniger Anwendungen erforderlich.

Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend wird das Standbein gewechselt und die gleiche Aktion über dem linken Iliosakralgelenk durchgeführt. Sollte auch diese Anwendung ohne Erfolg bleiben, liegt eine Blockierung in Anteposition vor2. Hier wird das gegenüberliegende Bein gependelt und auf das obere Sakrum gedrückt. Damit gelingt eine Distanzierung des oberen Teils des Ileums vom Sakrum. In diesem Fall wird dem Kraftvektor der Pendelbewegung nicht gegengehalten sondern er verstärkt. Das Os ilium ist in dieser Position als Standbein unbeweglich und damit stabil.

Im Bereich der oberen Brustwirbelsäule sollte diese Technik durch gleichzeitige Kopfrotation des Patienten unterstützt werden, da die Armbewegung hier nur ungenügenden Einfluss hat. In diesem Areal haben sich chirotherapeutische Techniken als effektiver erwiesen. Auch im Bereich der Kopfgelenke wenden wir andere Techniken an, da sich für uns diese als effektiver erwiesen haben.

Chirotherapie

Ziel dieser Therapie ist es, blockierten Gelenke wieder zu einem normalen Bewegungsausmaß zu verhelfen. Dafür stehen zahlreiche, z.T. unterschiedliche Techniken zur Verfügung. Ihnen gemeinsam ist meist die Behandlung mit Impuls, wobei durch eine kurze schnelle Bewegung mit nur kleinem Bewegungsamplitude zum einen eine mechanische Störung direkt beseitigt wird und zum anderen reflektorisch eine Entspannung des Bandapparates und der Muskulatur erzielt werden kann. Da das Erlernen dieser Methode sehr zeitaufwendig und für die Anwendung der Sympathikustherapie zwar sinnvoll, aber nicht unbedingt erforderlich ist, wollen wir nicht weiter darauf eingehen. Gleiches gilt in noch höherem Masse für die Osteopathie, deren Ausbildungs-Currikula einen Zeitaufwand von über tausend Stunden erfordern. Da auch die dort gelehrten Techniken für den Erfolg der Sympathikustherapie jedoch keinen wesentlichen zusätzlichen Vorteil bieten, mag es jedem überlassen bleiben, sich diese Methode dennoch anzueignen.

“Manufit” nach Hack

Die Manufit-Methode des Dr. Anton Hack aus Gaggenau beruht auf der Modellvorstellung, es gäbe bei der Blockierung eines Gelenkes eine gesperrte und eine freie Richtung. Durch die repetierende passive Bewegung des Gelenkes in die freie Richtung, würde die Blockierung allmählich gelockert.

Die so gewonnene Freiheit des Gelenkspiels wird dann durch einige passive Bewegungen in die ehemals gesperrte Richtung gesichert. Das Verfahren ist nicht nur sehr einfach und daher verständlich und leicht nachvollziehbar, sondern auch äußerst sanft und auch auf die Gelenke der Extremitäten anwendbar. Damit ist in der Privat- oder Physiotherapiepraxis mittels dieser Methode eine alle Körpergelenke mobilisierende Therapie möglich. Die Manufit-Methode beschreibt noch viele andere diagnostische Verfahren sowie Techniken, besonders für die Selbstbehandlung und Prophylaxe. Wegen der Einfachheit und Effektivität beschränken wir uns jedoch auf die oben genannte Technik.

Therapiehindernisse

Eine Erkrankung, bei der die Sympathikustherapie besonders vorsichtig angewendet werden sollte, ist die Osteoporose. Deshalb muss – vor allem bei älteren Menschen – nach vorausgegangenen Tumorerkrankungen, Metastasen und bekannter Osteoporose gefragt werden. Auf die Dorn-Therapie muss dann gegebenenfalls verzichtet werden, um einem möglichen Abbruch des Dornfortsatzes vorzubeugen. Da die Gefahren insgesamt doch sehr gering sind, ist sie als Laientherapie zugelassen.

Nicht jeder Patient kann erfolgreich behandelt werden. Es gibt Therapie-Hindernisse, die zu wiederkehrenden Symptomen führen. Hierzu zählen zum Beispiel Skoliosen, lange bestehende Beckenverwringungen, nicht ausgeglichene Beinlängendifferenzen und Blockierungen in den Füßen, die sich durch Störungen im Abrollmechanismus immer wieder nach oben „hocharbeiten“. Dazu gehören aber auch Störfelder, wie Narben, chronischen Entzündungen (z.B. Zahngranulome) und/oder „Verschlackung“. Letzteres ist ein diffuser und unwissenschaftlicher Begriff, auf dessen Definition wir uns hier nicht einlassen wollen. Aber nach unseren Erfahrungen reichen manchmal „Entschlackungs-Kuren“ aus, um beispielsweise Arthroseschmerzen oder Migräne zufriedenstellend ohne jeden weiteren Eingriff zu lindern.

Synoptische Handlungsanleitung

(gekürzt)

1Nach neueren Untersuchungen soll zwischen Tender- und Triggerpoints sowie Punkten der TCM-Akupunktur eine Übereinstimmung von über 80% bestehen.

2Die Beckenschaufel ist gegen das Kreuzbein nach vorne verdreht, so dass der vordere Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior) auf dieser Seite tiefer steht.